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Ein zweiter Frühling für die Gärtnerei Müller

Corona hat für viele mehr Ruhe gebracht: Reduzierte Arbeitspensen, ein eingeschränkter Radius und viel Zeit zuhause. Nicht so für Zita, Leo und Ruth Müller von der Blumen Müller AG in Neuenkirch. Für sie waren die vergangenen Wochen geprägt von ständig klingelnden Telefonen, sieben langen Arbeitstagen die Woche aber auch vielen frohen Gesichtern. 

Seit über 90 Jahren gibt es sie schon, die idyllische kleine Gärtnerei am Waldrand bei Neuenkirch. Etwas versteckt gelegen, hat sie sich über die vergangenen Jahre immer mehr zum Geheimtipp gewandelt. “Heute schätzen vor allem Stammkunden die handgezogenen Blumen, die traditionellen, von den grossen Regalen verschwundenen Gemüsesorten und die Beratung”, erklärt Zita Müller, die den Gärtnereibetrieb zusammen mit ihrem Mann Leo und ihrer Schwägerin Ruth führt.

Eröffnet hat die Gärtnerei Leos und Ruths Grossvater in den Dreissigerjahren. “Das war eine schwierige Zeit für die Leute damals, die nur dank grossen Gärten und eigens angepflanztem Gemüse überlebt haben”. Erzählt Leo Müller. Entsprechend wichtig und gross waren Gärtnereibetriebe – so auch die vor dem zweiten Weltkrieg geborenen Gärtnerei Müller, die zu einem stattlichen Betrieb heranwuchs. Die Beete waren von Frühling bis Herbst voll mit Gemüsesetzlingen und Blumen. Die vier Treibhäuser platzten bis vor wenigen Jahren aus fast allen Nähten, erzählt Leo Müller, der mit seiner Schwester den Familienbetrieb führt.

Mit dem vermehrten Aufkommen der grossen Gartencenter und Detailhändlern, die ebenfalls im Gärtnergeschäft mitmischten, schrumpfte die Gärtnerei Müller kontinuierlich. Heute bewirtschaften Zita, Leo und Ruth Müller nur noch einen Teil der Gärtnerei aktiv. Die Treibhäuser sind nicht mehr ganz gefüllt, einige der Beete bleiben das ganze Jahr über leer. Dafür ist seit zwei Jahren auch Ruths Blumenladen in der Gärtnerei zuhause. Dort verarbeitet sie teilweise selber gezogene Blumen. 

Dass die Beete und Treibhäuser leerer werden, hat nicht nur mit reduziertem Kundenfluss zu tun, sondern auch mit der Pensionierung von Leo Müller. Ans Aufhören hat die Familie Müller aber nicht gedacht. “Für mich dauert es noch ein paar Jährchen bis zur Pensionierung”, erzählt Zita Müller. “Bis dahin machen wir weiter, einfach kleiner und mit einem etwas anderen Rhythmus.”

Doch diesen Frühling, als mit dem Lockdown alle Gartencenter geschlossen wurden, wurde für die kleine Gärtnerei plötzlich alles anders. Entgegen den Gartencenter durfte der Betrieb unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen weiter geschäften. Dafür wurde mit dem Luzerner Wochenmarkt, an den Zita Müller jeweils dienstags und samstags fährt, eine wichtige Einkommensquelle gestrichen. 

So mussten sich Müllers neu orientieren. Da sie weit und breit plötzlich die Einzigen waren, die Kräuter, Gemüsesetzlinge und -saat verkauften, haben sie voll auf diese Karte gesetzt. “Wie damals zu Beginn. So etwas habe ich in meinem Leben noch nie erlebt”, sagt Leo Müller. Plötzlich sind die Leute von Malters und Schwarzenberg, ja sogar Luzern gekommen, um Material für ihre Gärten und Balkone einzukaufen. “Es haben sich so viele Menschen über unsere Pflanzen gefreut, wie schon lange nicht mehr”, erzählt Leo Müller. “Es ist heute wie damals eine Krise, und offenbar setzen die Menschen dann wieder vermehrt auf eigens gezogenes Gemüse”, ergänzt Zita Müller.

Die vergangenen Wochen durfte niemand die Gärtnerei betreten, sondern nur die vorbestellte Ware abholen. Autos fuhren zu und weg, Kunden konnten einzeln ihre angeschriebene Ware suchen und mitnehmen. “Dabei setzen wir auf Vertrauen”, erklärt Zita Müller. Da die Gärtnerei nicht auf digitale Zahlungsmöglichkeiten eingestellt war, haben sie den Kunden einen Einzahlungsschein in die Kiste mit der bestellten Ware mitgegeben. Andere haben das Geld in die offene Kasse gelegt. “Das funktionierte erstaunlich gut. Aber die Übersicht zu behalten, wer was wann bezahlt hat, das ist momentan eine Herausforderung. Genau so wie das Telefon, das ständig klingelt. Mit ein paar Überstunden bin ich aber gut dabei”, erzählt sie und schmunzelt. Sie hofft, dass sich die langen Arbeitstage aber auch längerfristig auszahlen. “Es wäre schön, wenn einige der neugewonnen Kunden auch das nächste Jahr den Weg zu uns finden würden”, sagt Zita Müller.

 

Barbara Schnyder

Horwerstrase 21

6005 Luzern